Der Stifter

Manuel Puppis

Abstract


Meine erste Begegnung mit Ulrich Saxer ereignete sich lange bevor mir das Amt als wissenschaftlicher Administrator der Ulrich Saxer-Stiftung angetragen wurde: an der Weihnachtsfeier des IPMZ 2002. Diese Feier ist den damaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts immer noch in denkwürdiger Erinnerung, war sie doch zugleich mit dem Abschied vom alten Standort an der Kurvenstrasse 17 verbunden, wo das Institut seit 1979 beheimatet war. Entsprechend bot die Feier eine eigentümliche Mischung aus Wehmut, Aufbruch- und Festtagsstimmung. Günter Bentele, damals Gastprofessor am IPMZ, sorgte am Keyboard für die musikalische Untermalung des Abends. Ulrich Saxer, der bis zu seinem Tod gerne an den fachlichen wie feierlichen Institutsanlässen teilgenommen hat, war selbstredend mit dabei. Und er hatte eine Überraschung in petto, die zu einem der Höhepunkte des Abends wurde: Von Bentele musikalisch begleitet, gab er „Die Moritat von Mackie Messer” aus Bertolt Brechts und Kurt Weills Dreigroschenoper zum Besten. Auch wenn Saxer sich für eine wissenschaftliche und gegen eine Gesangskarriere entschieden hatte – der Liebe zur Musik tat dies offensichtlich keinen Abbruch.

Am neuen Institutsstandort in Oerlikon war Saxer häufig anzutreffen und nahm sich auch jeweils die Zeit, in den einzelnen Büros für ein kurzes Gespräch vorbeizuschauen. Regelmässiger wurde mein Kontakt mit ihm dann im Rahmen meiner Tätigkeit für die von ihm gegründete Stiftung. Die jährlichen Stiftungsratssitzungen wurden von ihm als Stiftungspräsident persönlich geleitet. Mit der notwendigen Ernsthaftigkeit, aber auch einer gehörigen Portion Ironie gegenüber den einzuhaltenden stiftungsrechtlichen Formalia führte er jeweils durch die Traktandenliste. Mit Offenheit und Interesse beteiligte er sich an den Diskussionen über die zukünftigen Tätigkeiten und Veranstaltungsthemen der Stiftung. Nach getaner Arbeit verschob sich der Stiftungsrat dann jeweils für den geselligen Teil in ein gediegenes Lokal in der Zürcher Innenstadt. Ulrich Saxer musste dabei nie viel Überzeugungsarbeit leisten, um den Stiftungsrat als Belohnung für die Sitzungsarbeit zu einem „Cüpli” Champagner zu überreden.

Die Hauptaktivität der Stiftung bestand aber darin, jährlich eine sogenannte „Zukunftswerkstatt” durchzuführen. Diese zu wechselnden Themen stattfindende Tagung bietet Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern in der Schweiz die Möglichkeit zur vertieften Diskussion – sei es nun über Methoden des Vergleichs, die Organisationsperspektive oder die Wahrnehmung der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in der Öffentlichkeit. Saxer liess es sich nicht nehmen, zum Abschluss jeder Zukunftswerkstatt ein eigenes Referat zu halten. Akribisch vorbereitet, anregend und humorvoll setzte er sich darin mit dem Tagungsthema und den Beiträgen der eingeladenen Referentinnen und Referenten auseinander. Einzig 2012 blieb ihm aus gesundheitlichen Gründen die Teilnahme verwehrt. Im Nachhinein erkundigte er sich aber mit grossem Interesse telefonisch über den Verlauf der Veranstaltung.

Saxer publizierte auch eifrig weiter. Neben seinem Buch „Mediengesellschaft” verfasste er – sozusagen als Schlusspunkt – einen Beitrag über das Profil der Publizistik-/Kommunikations-/Medienwissenschaft in institutionalistischer Perspektive für den Band „Medien als Institutionen und Organisationen”. Das Erscheinen des aus dem Symposium zu seinem 80. Geburtstag entstandenen und ihm gewidmeten Bandes hat er leider nicht mehr erlebt.

Die Ulrich Saxer-Stiftung trauert um ihren Stifter und langjährigen Präsidenten und wird auch künftig seiner Idee treu bleiben, den publizistik- und kommunikationswissenschaftlichen Nachwuchs in der Schweiz zu fördern.

https://doi.org/10.1016/j.scoms.2013.04.026


Keywords


Saxer; Nachruf; Obituary; Kommunikationswissenschaft

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Studies in Communication Sciences | ISSN: 1424-4896