Krieg und Sport. Dimensionen einer komplexen Beziehung
DOI:
https://doi.org/10.24445/conexus.2026.07.005Abstract
Seit der Wiederbelebung der Olympischen Spiele 1896 mit ihrer Berufung auf den Olympischen Frieden der Antike haben sich die internationalen Sportverbände die Völkerversöhnung auf die Fahne geschrieben. Demgegenüber dienten turnerische und sportliche Leibesübungen seit dem 19. Jahrhundert oft explizit der Kriegsertüchtigung, wurden internationale Sportwettkämpfe seit der Zwischenkriegszeit als «Ersatzkriege» gesehen (George Orwell schrieb 1945 vom Sport als «war minus the shooting») und ist ein mehrtägiger militärischer Konflikt zwischen Honduras und El Salvador von 1969 sogar als ‹Fussballkrieg› in die Geschichte eingegangen. Vor diesem Hintergrund analysiert der Artikel verschiedene Dimensionen des Sports als Element von Kriegskultur. Anhand von Beispielen aus fünf europäischen Kriegen (Erster und Zweiter Weltkrieg in Europa, spanischer Bürgerkrieg, jugoslawische Zerfallskriege, Ukrainekrieg) werden die Funktionen des Sports als Mittel zur Aufrechterhaltung der Moral und Vorgaukeln von «Normalität» in Kriegszeiten, seine Vereinnahmung für die Kriegspropaganda und seine Rolle bei der Rekrutierung von Kriegsfreiwilligen, Aufstellung irregulärer Kampfverbände und Bildung Fünfter Kolonnen vorgestellt.
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