Zwischen empirischer Befundaufnahme und geisteswissenschaftlicher Deutung oder: Vom Umgang mit Wahrheit und Lüge in der Archäologie
DOI:
https://doi.org/10.24445/conexus.2025.08.004Abstract
Archäologie ist eine historische Wissenschaft; in der Feldarbeit kommen jedoch empirisch-naturwissenschaftliche Methoden zur Anwendung. Anhand verschiedener Geschichten wird ausgelotet, was Wahrheit und was Lüge für die Archäologie bedeuten. Dies geschieht auf zwei Ebenen: in der durch die Archäologie untersuchten Vergangenheit sowie auf der Ebene des aktuellen Wissenschaftsbetriebs. Die Erkenntnis daraus: Wahrheit ist vorläufig und Lüge (oftmals) relativ. Aktiv betriebene Unwahrheit wie die Fälschung von Funden oder Raubgräberei findet weitgehend ausserhalb der wissenschaftlichen Disziplin statt. Dabei wird ein Markt bedient, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, denn archäologisches Fundgut ist – jedenfalls gemäss unserer Gesetzgebung – Allgemeingut. Der Antiquitätenmarkt macht jedoch deutlich, dass Schatzgräberei eine der Wurzeln der Archäologie war und das Sammeln von Schätzen eine verbreitete Leidenschaft ist. Eine erfundene archäologische Untersuchung ist nicht bekannt, wohl aber unwahrscheinliche oder irrtümliche Deutungen. Man kann darauf vertrauen, dass Fehldeutungen im weiteren Gang der Forschung früher oder später zurechtgerückt werden. Aber: Die Erkenntnisse der Archäologie als historischer Wissenschaft bleiben zwangsläufig fragmentarisch. Uneingeschränkte Wahrheit bleibt unerfüllt.
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