Trugbild der Wirklichkeit? Der Film, (k)ein Schimmer von Wahrheit und Lüge
DOI:
https://doi.org/10.24445/conexus.2025.08.010Abstract
Bereits mit dem Beginn der perspektivischen Malerei wurden Bilder verdächtig den Abstand zwischen der wahren Wirklichkeit und ihrer Nachbildung zu verkürzen, wenn nicht unkenntlich zu machen. Im 20. Jahrhundert und in die aktuelle Gegenwart von Deep Fakes und Fake News, die nicht selten als Bewegtbilder veräussert werden, also kinematographisch sind, nachwirkend, wurden Kino und Film zu den ästhetischen Agenturen und Gestalten, die das Verhältnis von Wahrheit und Lüge auf die Spitze getrieben haben. Vom Kino als Ideologiemaschine bis hin zum nämlichen cinéma vérité reichen die Ansichten zum Film und manchmal scheinbar seine Ansichten selbst. Jean-Luc Godard zufolge sind Film und Kino 24-mal in der Sekunde Wahrheit, während Michael Haneke erwidert Film sei 24-mal in der Sekunde Lüge. Wie dem auch sei; offensichtlich pointiert der Film im Kino und anderswo das Verhältnis von Wahrheit und Lüge, trifft eigene Unterscheidung zwischen Wirklichkeitseindruck der dokumentierenden Aufnahme in Bild und Ton und dem phantas(ma)tischen Ausdruckvermögen seiner Fiktionen. Parallel dazu gerieren sich filmische Bilder zwischen photographischem Realitätsabdruck und trickreichen Re-Animation imaginärer Welten. Zugleich stellen Filme die Differenz zwischen Wahrheit und Lüge nicht immer wieder auf die Probe; sie geraten jeweils selbst zur ästhetischen Probe aufs Exempel von Lüge und Wahrheit, in dem sie der Differenz eigene Achsen der Differenzierung hinzufügen.
In meinem Text möchte stichprobenartig das ambigue Verhältnis von Wahrheit und Lüge des Films vorstellen und untersuchen. Ausgangspunkt bildet jenes Ensemble von Filmen, das mal als ‹documenteur›, mal als ‹mockumentary› oder ‹fingierter Dokumentarfilm› bezeichnet wird. Von diesen spielerischen Formen, die qu(e)er zur Binarität von Fiktionalität und Faktualität stehen, möchte ich einerseits auf weitere filmische Problemhorizonten von Wahrheit und Lüge blicken, andererseits filmische Perspektiven entwickeln, die die gegenwärtige Bedrohung von Wahrheit und Lüge anders reflektieren lassen.
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