Eine Kopie von Gottfried Sempers Dresdner Synagogen-Ampel – angefertigt für Cosima Wagner
DOI:
https://doi.org/10.24445/conexus.2025.08.011Abstract
Inmitten des europaweiten Sturms, den Richard Wagner mit seiner Publikation Das Judenthum in der Musik ausgelöst hatte, kam Cosima von Bülow, Geliebte und nachmalige Ehefrau Wagners, auf die Idee, eine Kopie einer Silberampel fertigen zu lassen. Gottfried Semper hatte diese für die Synagoge in Dresden (1838–1840) entworfen. Doch dem Unternehmen waren verschiedene Hindernisse gesetzt. Zum einen wollte Cosima von Bülow auf keinen Fall, dass diese Bestellung publik würde und hatte zu diesem Zweck Friedrich Nietzsche eingespannt. Dieser ersuchte in einem ersten Schritt Semper selbst um eine Zeichnung der Ampel. Doch es scheint, dass sich diese Zeichnung nicht für eine Ausführung eignete, so dass sich Nietzsche direkt nach Dresden wandte, wo jedoch auch die israelitische Gemeinde nicht behilflich sein konnte. Schliesslich wurde in Dresden direkt in Zeichner engagiert, der den Auftrag erhielt, die Ampel vor Ort zu kopieren. Auch der ursprüngliche Plan Cosimas, die Ampel in Dresden herstellen zu lassen, zerschlug sich, so dass dies in Luzern durch das Goldschmiedeatelier von Carl Bossard bewerkstelligt wurde. Ist nach dem Zweck des ganzen Unternehmens zu fragen, so kristallisiert sich heraus, dass Cosima die Silberampel für die Taufe ihres Sohnes Siegfried herstellen liess. Unehelich geboren, konnte er erst ein Jahr nach seiner Geburt getauft werden, da sich die Scheidung von Cosima so lange hinzog. Denn Siegfried konnte erst den Namen Wagner annehmen, als Cosima und Richard geheiratet hatten. Doch die Taufe wie auch die Herstellung der Synagogen-Ampel mussten so diskret wie möglich erfolgen, um jeglichen Skandal zu vermeiden. Sie fand im Landhaus Tribschen bei Luzern statt, wo Wagner seit 1866 wohnte und wo Cosima ihm ein Jahr später mit den beiden gemeinsamen Töchtern nachfolgte.
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