Call for Papers

Call for Papers: conexus 4

Fremdbestimmung und Selbstbestimmung

Ist Selbstbestimmung per se ein Gut und Fremdbestimmung daher grundsätzlich abzulehnen? Darf der Staat, zumal der freiheitlich-demokratisch verfasste Rechtsstaat, die Selbstbestimmung der Individuen einschränken? Oder ist er in gewissen Situationen sogar verpflichtet, dies zu tun? Worauf kann und darf er seine Interventionen stützen? Auf wissenschaftliche Erkenntnisse? Auf epidemiologische Berechnungen, medizinische Fakten, ökonomische Hypothesen? Wie brisant diese Fragen sind, zeigt sich nicht zuletzt angesichts der staatlichen Massnahmen zur Bekämpfung der gegenwärtigen Pandemie. Mit den Einschränkungen der Selbstbestimmung scheint die Aufklärung zur Disposition zu stehen, die Kant als «Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit» definiert hat. Wie sehr aber die Antonyme «Selbstbestimmung» und «Fremdbestimmung» sich gegenseitig bedingen und dialektisch aufeinander bezogen sind, zeigt sich an dem Dilemma, dass der freiheitliche Staat von «Voraussetzungen» lebt, «die er selbst nicht garantieren kann», wie Ernst-Wolfgang Böckenförde die Problematik pointiert auf den Punkt gebracht hat. Garantiert, gesichert und durchgesetzt werden kann Selbstbestimmung nämlich nur durch Mittel, die ihrem eigenen Anspruch zuwiderlaufen: durch Rechtszwang, das heisst durch Fremdbestimmung, die so paradoxerweise als Möglichkeitsbedingung von Selbstbestimmung erscheint.

Forschende und Lehrende aus allen Disziplinen - von der Staats- und Rechtstheorie über die Naturwissenschaften und die Medizin bis hin zur Ökonomie, Psychologie, Geschichte und zu den Kunst- und Literaturwissenschaften – sind dazu eingeladen, das Thema aus der Perspektive ihres Faches zu diskutieren. Manuskripte können in den Landessprachen und in Englisch eingereicht werden.

Deadline 31. März 2021

Manuskripteinreichung wolfgang.rother@philos.uzh.ch

Peer Review Die Beiträge werden im double-blind-Verfahren begutachtet.

Umfang 20 000 bis 35 000 Zeichen (inkl. Leereichen, inkl. Fussnoten)

Publikation Herbst 2021

Die Richtlinien finden Sie hier: https://www.hope.uzh.ch/conexus/about/submissions

Call for Guest Editors. – Für die Gastherausgeberschaft von conexus 4 werden Kolleginnen und/oder Kollegen – idealerweise je eine Person aus den Geistes- und aus den Naturwissenschaften – gesucht, die bereit sind, die organisatorische Arbeit (Peer Review) und die Redaktion eines Heftes zu übernehmen. Interessierte kontaktieren bitte den Herausgeber von conexus: wolfgang.rother@philos.uzh.ch

Ringvorlesung der fortgeschrittenen Forschenden und Lehrenden. – Die nächste Ringvorlesung der fortgeschrittenen Forschenden und Lehrenden findet im Herbstsemester 2021 zum Thema von conexus 4 – Fremdbestimmung und Selbstbestimmung – statt. Die Ausschreibung erfolgt im April/ Mai 2021. Darüber hinaus werden Personen, die einschlägige Beiträge für conexus 4 eingereicht haben, gezielt eingeladen, an der Ringvorlesung mitzuwirken. Es wird auch weiterhin möglich sein, Vorträge in einem Supplement-Heft zur jeweiligen conexus-Nummer zu publizieren.

Ansprechpersonen für die Ringvorlesung:

PD Dr. Sabine Hoidn sabine.hoidn@unisg.ch

Prof. Dr. Ulrike Zeuch ulrike.zeuch@uzh.ch