Zeitschrift

conexus 3/2020: Krankheit und Gesundheit

Der «endlichen Existenz», so lesen wir bei Hegel, eignet die «ursprüngliche Krankheit», sie trägt den «angeborenen Keim des Todes» in sich. Insofern erscheint nicht die Gesundheit, sondern die Krankheit als der Normalzustand des organischen Lebens. Dies macht die Gesundheit zu einem umso kostbareren Gut – und zwar nicht nur die Gesundheit als physisches, sondern auch als psychisches und soziales Wohlergehen. Umfassende Gesundheit ist unteilbar. Dieser Gedanke, der in der Idee von «One Health» und ihrer interdisziplinär und global ausgerichteten Forschungs- und Praxisperspektive akzentuiert wird, war wegleitend für die Konzeption der vorliegenden conexus-Nummer, an der Fachleute aus unterschiedlichen medizinischen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen mitgewirkt haben.

Publiziert mit Unterstützung der Hochschulstiftung der Universität Zürich und der Privatdozenten-Stiftung der Universität Zürich

Veröffentlicht: 2020-12-02

 

conexus 2/2019: Irrtum und Erkenntnis

Irrtum und Erkenntnis sind auf den ersten Blick Gegensätze. Irrtümer entstehen aus falschen Annahmen oder falschen Schlussfolgerungen; Erkenntnisse hingegen sind Momente innerhalb eines Prozesses, der zu gesichertem Wissen führen soll. Erkenntnisse sind wissenschaftlich, Irrtümer nicht - so die landläufige Meinung. Doch die Geschichte zeigt, dass grosse Irrtümer genauso zur Wissenschaft und zum Fortschritt gehören wie bahnbrechende Erkenntnisse. Und Erkenntnisse ihrerseits sind bedingt, von Interessen geleitet (Habermas) und erweisen sich oft als Irrtümer, Irrtümer hingegen zuweilen als nützlich für die Forschung. Im vorliegenden Band wird das Thema Irrtum und Erkenntnis aus wissenschaftstheoretischer Perspektive beleuchtet und in Studien aus Theologie und Philosophie, Geschichte und Politik, Literatur und Kunst, Medizin und Pharmazie illustriert.

Publiziert mit Unterstützung der Hochschulstiftung der Universität Zürich und der Privatdozenten-Stiftung der Universität Zürich

Veröffentlicht: 2019-09-05

 

conexus 1/2018: Lust und Leiden

Dass wir die Lust dem Leiden vorziehen, dass wir von Natur aus nach Lust streben und Schmerzen nach Möglichkeit zu vermeiden suchen, gilt als anthropologischer Gemeinplatz. Doch allem Anschein und unserer Intuition zum Trotz sind Lust und Leiden nicht unbedingt konträre Empfindungen oder kontradiktorische Begriffe. Die Wahrheit ist – wie so oft bei einfachen und unbestrittenen Dingen – komplexer und komplizierter. Wir gehen bekanntlich solchen Lüsten aus dem Weg, an deren Konsequenzen wir möglicherweise leiden, und sind umgekehrt ohne weiteres bereit, um späterer Lustempfindungen oder auch nur um der Schmerzvermeidung willen Schmerzen zu ertragen. Religiose Menschen fasten, bussfertige Ordensleute geisseln sich, Priester und Stoiker üben sich in strenger Enthaltsamkeit – und sind glücklich. Marathonläuferinnen, Jogger und Kraftsportler quälen ihren Körper und fühlen sich gut dabei. Masochisten empfinden Lust, wenn ihnen Schmerzen zugefügt werden.

Publiziert mit Unterstützung der Hochschulstiftung der Universität Zürich und der Privatdozenten-Stiftung der Universität Zürich

Veröffentlicht: 2018-11-07