Vom „home mode“ zum „image stream“? Domestizierungstheoretische Überlegungen zum Wandel privater Bildpraxis

  • Wolfgang Reißmann Universität Siegen, Philosophische Fakultät, Medienwissenschaftliches Seminar, Medien und Kommunikation
Keywords: Domestizierung, private Bildpraxis, Home mode, Bildfluss, Mediatisierung

Abstract

Der Beitrag bezieht domestizierungstheoretisches Denken auf aktuelle Phänomene der Visuellen Kommunikations- und Mediatisierungsforschung. Zugrunde gelegt wird als Perspektive das Streben nach verlässlichen Alltagsstrukturen und Kontinuität. Ausgangspunkt ist, dass private Fotografie bereits in der so genannten „Kodak Culture“ maßgeblich an der sozialen Konstruktion und Reproduktion des ‚Zuhause‘ beteiligt war. Diese soziale Funktion privater Bildpraxis bleibt in digital vernetzten Medienumgebungen wichtig. Allerdings haben sich sowohl die Modi als auch die Gestalten dessen verändert, was als Zuhause erlebt und wie mit Bildern Sicherheit und Alltagsstabilität zu erreichen versucht wird. An die Stelle des fotografischen und bildlichen Bewahrens und Konservierens von Sozialbeziehung und Ereignissen tritt stärker (auch) das Mitverfolgen und eigentätige Produzieren von Bildströmen. In gewissem Sinn wechselt, so die These, die private Bildpraxis von der bildlichen (Re-)Präsentation der Stabilität zur Stabilität der bildlichen (Re-)Repräsentation. Der Beitrag geht dieser These unter Bezug auf Grundlagen und Ergebnisse der älteren wie neueren Forschung sowohl aus dem Bereich der Domestizierungs- als auch der Bildaneignungsforschung in vier Argumentationsschritten nach und schließt mit einer kritischen Diskussion bzgl. der Tragweite der präsentierten Überlegungen.

This paper draws on the domestication approach and applies central thoughts to the emerging field of visual communication and mediatization research. A guiding premise is that people strive after continuity and security in their everyday lives. Already in the age of ‘Kodak Culture’, private photography was important for the social construction and reproduction of ‘home’. This social function remains significant in networked and digital media environments. However, modes and forms changed of what people experience as home as well as how they use visuals to maintain security and stability. The use of photos for remembering and as keepsakes of social relationships and events is partly substituted by following and producing image streams. In a way, private picture practice shifts from the visual (re)presentation of stability to the stability of visual (re)presentation. By drawing on past and present research in the fields of domestication as well as the appropriation of pictures, this thesis is argued in four steps. The paper ends with a critical discussion of the presented argumentation.

https://doi.org/10.1016/j.scoms.2014.12.007

How to Cite
Reißmann, W. (1). Vom „home mode“ zum „image stream“? Domestizierungstheoretische Überlegungen zum Wandel privater Bildpraxis. Studies in Communication Sciences, (2). https://doi.org/10.24434/%x
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