The Go-Betweens

Daniel Süss

Abstract


The Go-Betweens waren eine australische Rock-Band der 1970er-Jahre, aber es war auch ein Begriff, den Ulrich Saxer augenzwinkernd verwendete, um eine Gruppe von Fachkolleginnen und -kollegen zu bezeichnen, die sich zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen bewegten und auf diese Weise an der Entwicklung der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mitwirkten. Es hat mich gefreut, dass ich von ihm dieser Gruppe zugeordnet wurde, nicht etwa mit der Konnotation „nicht ganz dazu gehörend”, sondern „mittendrin” zu sein. So hat er anlässlich seines 80. Geburtstages im schönen Zunftsaal den Tisch für diese Gäste in der Mitte platziert.

Saxers eigene fachliche Wurzeln lagen in der Germanistik, der Anglistik und der Jurisprudenz, und er bewegte sich weiter in die Soziologie und schliesslich in die Publizistikwissenschaft. Sein methodisches Instrumentarium der Sprachwissenschaften erweiterte er um die empirischen Forschungsmethoden der Sozialwissenschaften. Er baute in der Schweiz das neue eigenständige Fach Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit auf. Nun ist es bei Pionieren ja manchmal so, dass sie ganz dogmatisch Grenzen ziehen und das Neue und Eigene elitär hervorheben. Das hat Ulrich Saxer nicht gemacht, sondern er hat sich bemüht, das Neue organisch aus dem Alten herauszuarbeiten. Er hat das Perspektivische betont, wie auch sein letztes grosses Werk „Mediengesellschaft – eine kommunikationssoziologische Perspektive” (2012) dokumentiert.

Dass er manchmal aber auch die Grenzen der eigenen Disziplin zu verteidigen wusste, erlebte ich selbst, als ich Anfang der 1990er-Jahre mit der Bitte an ihn – damals noch einziger Professor und Leiter des Seminars - herantrat, zur Unterstützung meines Dissertationsprojektes über die Rezeption von Fernsehkrimis, mit einer Gruppe von Studierenden der Publizistikwissenschaft ein Forschungsproseminar durchführen zu können. Die Studie an der Schnittstelle von Publizistikwissenschaft, Medienpädagogik und Jugendpsychologie sollte im Fach Psychologie eingereicht werden. Methodisch waren Interviews und Inhaltsanalysen von Filmen geplant. Die erste Antwort von Ulrich Saxer war abschlägig: „Zu psychologisch, das Ganze!”

Nach der ersten Enttäuschung raffte ich mich auf und suchte nach Wegen, die den alleinherrschenden Hochschullehrer meines Nebenfaches überzeugen könnten. Ich legte mich argumentativ ins Zeug, überarbeitete das Seminarkonzept und erläuterte mit Emphase, wie publizistikwissenschaftlich die Studie doch eigentlich sei und wie ich für die Studierenden die Bezüge zu ihrem Fach ohne Zweifel verdeutlichen könnte. Bei einem zweiten Treffen mit Saxer kam schliesslich die Zustimmung. Ohne diese hätte ich das Projekt kaum realisieren können, mein beruflicher und akademischer Weg wäre vielleicht ganz anders verlaufen. Ich glaube, dass Ulrich Saxer im Grunde auch deshalb für mein Anliegen nach nur kurzem Zögern offen war, weil er selbst den Weg der „Go-Betweens” gegangen ist und daran glaubte, dass daraus etwas Produktives entstehen kann. Auch dafür bleibe ich ihm in grosser Dankbarkeit verbunden.

https://doi.org/10.1016/j.scoms.2013.04.029

Keywords


Saxer; Nachruf; Obituary; Kommunikationswissenschaft

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Studies in Communication Sciences | ISSN: 1424-4896